Bei vorzeitigem Samenerguss (ejaculatio praecox) Sexualtherapie für Paare

Früher Samenerguss

Zu früher Samenerguss kommt bei 20 % der Männer aller Altersklassen vor und ist meistens mit sehr viel Scham und Versagensängsten besetzt. Grundsätzlich muss durch einen Urologen eine so­matische Ursache ausgeschlossen werden.

In einer Partnerschaft wirkt sich dieses Problem auf beide Partner oft so frustrierend aus, dass mas­sive Spannungen entstehen und in häufigen Fällen sexuelle Begegnungen ganz zum Erliegen kom­men.

Die gut gemeinten Ratschläge, die man im Netz zu diesem Thema findet, gehen oft in die Richtung den Penis unsensibler zu machen. Entweder mit betäubenden Salben, dickeren Kondomen oder auch mit der Ablenkung vom Geschehen, bis zu Quetschtechniken, die den frühzeitigen Orgasmus verhindern sollen. Diese Maßnahmen führen meist nur zu sehr mäßigem Erfolg. Ein Mann, der beim Liebesspiel mit diesen Techniken beschäftigt ist, wird ganz zwangsläufig weniger präsent mit seiner Partnerin und auch mit seiner eigenen Lust sein können. Seine Angst „es zu vermeiden“ wird damit eher gestärkt.

Der Körper eines Mannes, der mit vorzeitigem Samenerguss reagiert, kann nicht zwischen Angster­regung und lustvoller Erregung unterscheiden. Damit sein Körper dies lernt, braucht dieser Mann nicht etwa weniger sexuelle Stimulation (worauf die Betäubungsstrategien abzielen) sondern ein Mehr an sexueller Stimulation.

Hier kommt die Partnerin ins Spiel. Für eine Partnerin ist es sehr frustrierend mit einem Mann zu­sammen zu sein, der in der sexuellen Begegnung hauptsächlich mit seiner Angst beschäftigt ist. Sie wird ihre eigene sexuelle Erregung zurückhalten, um es ihm nicht noch schwerer zu machen. Das dauernde Zurückhalten ihres eigenen Lustpegels wirkt sich negativ auf ihr eigenes Lustempfinden aus. Das kann dazu führen, dass die Frau ihr Interesse am gemeinsamen Sex verliert. Möglicherwei­se entsteht in ihr Wut und Enttäu­schung über die Situation. Diese Gefühle wird ihr Partner auf die eine oder andere Art mehr oder weniger offen zu spüren bekommen. Dadurch wird das Versagens­gefühl des Mannes weiter gestärkt und seine übermäßige Angsterregung noch zusätzlich gesteigert.

Wie kann ein Paar nun aus diesem Teufelskreis entrinnen?

Selbst wenn das Problem ursächlich der Mann in die Beziehung bringt, betrifft es beide gleicherma­ßen. Für seine Lösung werden beide Partner benötigt. Der Mann braucht seine Partnerin um sein Angsterregungsmuster abzubauen. Wenn er alleine ist, zum Beispiel beim Masturbieren, hat er die­ses Problem nicht. Daher braucht er nicht etwa eine Betäubung seines Penis oder Ablenkung von seiner Lust, sondern genau das Gegenteil. Sein Penis muss im Beisein seiner Partnerin so häufig und so intensiv stimuliert werden, dass sein Penis sich daran gewöhnt und sein Körper lernt die Angsterregung abzubauen und eine lustvolle Erregung aus­zuhalten. Dabei ist der Coitus selbst nicht das geeignete Mittel. Beim Coitus fühlt er sich verpflichtet, Leistung und Erfolg bringen zu müssen. Sein innerer Anspruch und mehr oder weniger offene Wünsche seiner Partnerin lassen seine Angst­erregung ins Unerträgliche steigen. Indem das Ziel, dieses Mal auf gar keinen Fall zu früh zu kom­men, alle Aufmerksamkeit absorbiert, wird seine Aufmerksamkeit vom eigenen Körper und seiner Partnerin abgezogen. Als Folgewirkung besteht weder eine Verbindung und Nähe zu sich selbst noch zur Geliebten. Dieser massive Erfolgsdruck erzeugt wiederholtes Erleben von Versagen und unterminiert das Vertrauen in die eigene Männlichkeit. Er fühlt sich als Sexual- und Beziehungs­partner in hohem Maße defizitär. Darunter leidet sein gesamtes Selbstvertrauen, als Mann und Mensch anziehend und liebenswert zu sein.

Statt bei sexueller Vereinigung Versagensdruck aufkom­men zu lassen sind alle Sexualpraktiken hilfreich, die diesen Druck nicht erzeugen, wie z.B. Stimu­lation durch Hände oder Mund der Partnerin. Obwohl auch diese Stimulation sehr intensiv ist, ist es ganz und gar seine Angelegenheit, wann und ob er überhaupt kommt. Durch diesen Umstand ist er befreit von eigenen Anforderungen wie der seiner Partnerin. Er befindet sich dadurch in einem streßfreien Erleben und kann sich ausschließlich auf die Empfindungen seines Körpers konzentrieren. Auf diese Weise kann er sich in völliger Präsenz und intensiver Verbundenheit zu seinem Körper wahrnehmen, ohne wie sonst mehr mit der Zukunft beschäftigt zu sein, dass gleich schon wieder alles vorbei sein wird. Diese Erfahrungen ermöglichen ihm zu lernen, dass er sich in sexuellen Begegnungen zu ent­spannen vermag und (wenn er es wünscht) selbst beruhigen kann, ohne Leistung bringen zu müssen. Ist seine Partnerin bereit, ihn bei dieser Praxis zu unterstützen, gewöhnt er sich daran während der sexuellen Begegnung sein sexuelles Erregungsniveau ohne Druck zu halten, einfach nur deshalb, weil er den Augenblick noch länger genießen möchte und nicht etwa deshalb, weil er jetzt noch nicht kommen darf.

Eine Partnerin wird nur in der Lage sein ihrem Partner dieses Erfahrungsfeld zu ermöglichen, wenn sie bereit ist, ihn zu lieben. Es ist sehr verständlich, wenn sie durch vielleicht jahrelange Wiederho­lung dieser Abwärtsspirale sehr wütend auf ihn ist. Es ist hilfreich, sich diesen Gefühlen in einer Paartherapie zu stellen, sie zuzugeben und über das Verständnis mit sich selbst aufzulösen.

Als Partnerin eines Mannes mit diesem Problem kann sie lernen, sich nicht mehr länger mit ihrer sexuellen Aktivität zurückzuhalten und trotz oder sogar wegen seines Problems ihre eigene Lust voll zuzulas­sen und zu genießen. Anstatt mit dem Coitus zu beginnen, der beide schnell ins Desas­ter führt, kann sie ihre eigenen Wege Lust zu erleben ausloten und ihr eigenes sexuelles Repertoire er­weitern. Dies erfordert Mut, das Risiko einzugehen, auf Ablehnung des Partners zu stoßen. Häufig bewegt sich die Sexualität von Paaren mit einem frühzeitigen Ejakulations­problem in einem engen Muster und in festen Vorstellun­gen darüber, was erlaubt ist und was nicht. Seine Sexualität als Paar gemeinsam zu entfalten, braucht den Mut sich aus einer vielleicht unglücklich machenden aber den­noch sicheren Komfortzone hinaus zu bewe­gen. Wenn es beiden gelingt, ihr begrenztes sexuelles Verhaltensrepertoire zu erweitern und sich mutig in unbekanntes Terrain zu wagen, können sie sich zu reifen, offenen, selbstbewussten und freien Menschen entwickeln. Dann wird es für beide mög­lich sein, Freude am eigenen und anderen Körper zu haben, offen auszusprechen, was man sich wünscht und im Sex die Liebe zueinander auszudrücken.

Wegen der Bedeutung des Themas für eine Partnerschaft und der vielleicht nicht immer ganz so leichten Umsetzung unseres Lösungsansatzes in der Praxis empfiehlt sich eine kompetente Unterstützung im Wege einer Paartherapie oder eine Sexualtherapie für Paare. Als besonders wirkungsvoll hat sich eine mehrere Tage dauernde Sexualtherapie oder Paartherapie herausgestellt, bei der ein Paar zwi­schen den über den Tag verteilten Sitzungen den vorgestellten Lösungsansatz praktizieren und die damit gemachten Erfahrungen in der nächsten Sitzung kommunizieren kann. Vielleicht auftauchende Schwierigkeiten können dann sehr zeitnah, offen und mit einer Brise Humor Unter­stützung durch den Therapeuten finden.

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