Kennen Sie negative Selbstgespräche?

Forschungsergebnisse zeigen, dass jeder Mensch am Tag durchschnittlich 50.000 mal mit sich selbst spricht. Bei den meisten Selbstgesprächen geht es um die eigene Person. Den Wissenschaftlern zufolge sind 80 % dieser Selbstgespräche negativ. Es handelt sich dabei um Aussagen wie: “Ich schaffe es nicht!”, “Ich mag nicht wie ich heute aussehe!”, “Die anderen machen es viel besser als ich!”, “Ich kann das nicht!”, “Ich müsste es besser hinkriegen!”, “Ich komme immer zu spät!”, “Ich bin zu faul, … zu dick, … zu blöd, … zu unordentlich, … zu langsam, … etc.!”

Wir wissen aufgrund wissenschaftlicher Forschung, dass Gedanken einen sehr großen Einfluss auf uns haben. Was wir denken bestimmt unsere innere Einstellung, unseren Körperausdruck, unsere Handlungen und unsere Beziehungen. Es sind die negativen Gedanken und Befürchtungen, die uns Fehler machen lassen. Sie lassen uns stottern, Sachen verschütten, unseren Text vergessen, in Schweiß ausbrechen, flach atmen und Angst haben, kleinere und größere Unfälle machen. Sie haben eine sich selbst erhaltende und verstärkende Wirkung. Jemand, der glaubt dumm zu sein, wird in herausfordernden Situationen soviel Angst vor seinem Versagen haben, dass er tatsächlich versagt. Seine “Dummheit” wird in der Realität immer wieder bestätigt, so dass seine Überzeugung in einem endlosen Teufelskreis weiter zementiert wird.

Obwohl diese Selbstgespräche uns sehr schaden, gibt es verschiedene Gründe, warum wir sie nicht los werden:

  • Fast alle unsere negativen Selbstgespräche sind unbewusst. Es ist unmöglich ein negatives Verhalten zu beenden, wenn wir es gar nicht erst bemerken.
  • Es ist so vertraut, negativ zu denken, dass es uns schon wieder lieb geworden ist. Vielleicht kennen sie das: Sie fahren einen Weg, den sie immer fahren, beispielsweise zur Arbeit. Nur heute müssen sie woanders hin. Wenn sie nicht sehr bewusst sind, fahren sie automatisch die gewohnte Strecke und verpassen den Abzweig, den sie heute hätten nehmen müssen. Ähnlich verhält es sich mit neuen Gedanken. Die alten sind uns so vertraut, dass wir automatisch das denken, was wir immer gedacht haben und was unsere Eltern uns schon haben denken lassen.
  • Negative Selbstgespräche geben uns die Illusion von Kontrolle. Unbewusst ist der Glaube da, wenn wir nur genug mit uns schimpfen, werden wir wohl alles richtig machen und wir hätten unser Leben damit unter Kontrolle. Wer in uns schimpft zu wem in uns? Erhielten wir früher als Kind von unseren Eltern Zurechtweisungen, Schimpfe, Be- und Entwertungen, so hat heute in unserem Erwachsenenleben das kontrollierende Über-ich diese Kontrollfunktion übernommen. Das Kind von damals, das auch heute noch in uns als ‘inneres Kind’ existiert, ist damit vertraut, nicht gut genug zu sein und hat irgendwann diese Sichtweise als die eigene übernommen.
  • Negative Gedanken haben ein großes zerstörerisches Potenzial in Beziehungen. Einerseits lassen wir es zu oder beschwören sogar herauf, dass der Partner uns ähnlich beschimpft, entwertet oder zurechtweist wie unsere leiblichen Eltern. Andererseits leiden wir (wie auch damals) darunter, dass sich gerade unser Partner so wenig liebevoll uns gegenüber verhält statt, wie wir uns so inbrünstig erhoffen, uns endlich so liebt, wie wir sind. In dieser schwer zu ertragenden Situation suchen viele Beziehungspartner einen Ausweg in einer Trennung oder in einer neuen Beziehung. Ob sie das erhalten, was sie sich sehnlich wünschen, bleibt fraglich, solange nicht Liebe zu sich selbst entstehen kann, zu dem Menschen, der man mit all seinen Fehlern und Schwächen ist.

    Negative Gedanken sind nicht einfach nur Gedanken. Sie lassen sich nicht einfach durch positive austauschen (so wie die think positive Bewegung einige Zeit propagiert hat), indem sie z.B. in ihr Gegenteil verkehrt werden. Sie sind tief verwurzelte Überzeugungen und Glaubenssätze, die letztlich auf der Grundannahme fußen, nicht in Ordnung und liebenswert zu sein.

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