Paartherapie: Vom Gegeneinander zum Miteinander und zur Liebe zu sich selbst

Wenn Paarbeziehungen im Gegeneinander statt Miteinander verstrickt sind, ist Paartherapie angesagt. Beziehungskonflikte können nicht nur als Chance verstanden werden, die Beziehung zum Partner zu verbessern sondern auch die Beziehung zu sich selbst.

Nicht wenige Paare geraten selbst nach einer langjährigen Partnerschaft immer wieder in Bezie­hungskonflikte, die sich zu einem verbalen Gemetzel steigern können, in dem sich die Partner be­schimpfen, entwerten, beschuldigen und anschreien. Solche Konflikte können sich regelrecht zu ei­nem gnadenlosen Beziehungskrieg entwickeln, in dem Stellungen bezogen und bis auf das Äußerste verteidigt werden als ginge es um Leben und Tod. Erstaunlicherweise ist durchaus nicht selten, dass solche Paare sich nicht unbedingt trennen sondern lange Jahre, für Jahrzehnte oder selbst ihr Leben lang zusammenbleiben. Dies obwohl jeder Partner immer wieder emotionale Verletzungen da­von trägt, die in der angespannten Beziehungslage nicht heilen können. Die gegenseitige Verwund­barkeit nimmt durch ständige Reizungen immer mehr zu, so dass oft schon ein mimischer Ausdruck oder eine Geste ausreicht, um zurückzuschlagen. Da es keine Gewinner in solchen Auseinanderset­zungen gibt, verschanzen sich beide in immer tiefer werdenden Gräben. Freunde eines solchen Paa­res gelingt es meistens nicht, den Stellungskrieg zu beenden. Sie laufen eher Gefahr, als Verbündete eingespannt oder abgelehnt zu werden. Während sich Freunde des bekriegenden Paares noch zu­rückziehen können, haben deren Kinder diese Möglichkeit nicht. Sie befinden sich hilflos zwischen den Fronten und werden oft von jeder Seite für ihre Zwecke missbraucht.

Bei Gegeneinander ist Paartherapie angesagt


Eine solche Situation ist für alle Beteiligten eine große Belastung, die weit reichende Folgen für de­ren Leben haben kann. In einem solchen Klima können sich psychische Störungen, physische Krankheiten, berufliche Schwierigkeiten, Suchtanfälligkeiten und schulisches Versagen entwickeln. Selbst wenn es nicht so weit kommt, ist doch immer die Lebensqualität stark eingeschränkt, weil nicht nur die Lebensfreude auf der Strecke bleibt sondern emotionale Schmerzen für anhaltendes Leid sorgen.

Die Schmerzen, die Menschen in einer solchen Konstellation erleben, sind sehr ernst zunehmende Signalgeber, die aufrufen, sich über Paartherapie und/oder Psychotherapie Hilfe zu holen. Paartherapie und Psy­chotherapie ist nichts anderes als eine Behandlung der Paarbeziehung oder der Psyche, so wie die Medizin den Körper behandelt. Je mehr uns ein Körperteil schmerzt, um so eher suchen wir mit al­ler Selbstverständlichkeit den entsprechenden Facharzt auf. Eine gute Paartherapie und/oder Psy­chotherapie verhilft zu einem Verständnis des doch recht eigenartigen Phänomens, warum man als betroffenes Paar bereit ist, sich einer solch gravierenden Dauerbelastung für lange Zeit auszusetzen. Möglicherweise lässt sich herausfinden, dass man dieselben Beziehungsmuster lebt wie die der ei­genen Eltern. Dies ist nachvollziehbar, da wir wahrscheinlich kein anderes Beziehungsmodell als das unserer Eltern kennengelernt und damit zur Verfügung haben. Eine andere Erklärung für dieses Phänomen kann sein, dass man als Kind von den Eltern oder einem Elternteil so behandelt wurde, wie man jetzt vom Partner behandelt wird. Zwar hat man auch schon als Kind unter der Behandlung der Eltern oder eines Elternteils gelitten, sie aber als normal, angemessen oder sogar verdient er­achtet. Andernfalls wäre es als auf die Eltern angewiesenes Kind kaum möglich gewesen, den mit der negativen Behandlung verbundenen Schmerz zu ertragen. So wie man als Kind unverzichtbar auf die Liebe der Eltern angewiesen ist und sich nichts sehnlicher wünscht, als diese zu erfahren, bleibt auch ein erwachsener Beziehungspartner mit dieser Herkunftserfahrung bereit, sich negativer Behandlung auszusetzen. Beziehungspartner suchen und finden einander in der unbewussten Ab­sicht, vom anderen die Liebe zu erfahren, die sie nie erfahren haben.

Wie stehen nun die Aussichten in einer Paartherapie und/oder Psychotherapie aus dem zermürben­den Gegeneinander wieder zu einem liebenden Miteinander zu finden?

Mittels Paartherapie zum Miteinander

Die Aussichten sind recht gut, wenn die Bereitschaft besteht, sich dem eigenen Urschmerz zuzuwenden. Dieser Schmerz reicht bis in die frühe Kindheit zurück, als die (wenn auch meist verdrängte) Erfahrung gemacht wurde, nicht so geliebt zu werden, wie man ist. So wie ein Kind, dass sich ungeliebt fühlt, nicht da­durch Heilung findet, dass ihm nur gesagt wird, dass es liebenswert ist, geht eine gute Therapie über eine verbale Behandlung, die lediglich die mentale Ebene anspricht, deutlich hinaus. Das ursprüng­liche und immer noch bestehende Liebesdefizit wurde und wird auch weiterhin auf emotionaler Ebene, wie z.B. in der Partnerschaft, erfahren,. Es schlägt sich auch in körperlichen Empfindungen nieder und drückt sich dort aus. Daher ist für den Erfolg einer paar- oder psychotherapeutischen Be­handlung unverzichtbar, den Schmerz über den Mangel an Liebe in seiner Beziehung (wie im übrigen Leben) über seine Gefühle und den eigenen Körper zu erfahren. Mit Hilfe des Therapeuten kann zunächst vielleicht nur ein Verständnis, dann ein Mitgefühl und schließlich eine Liebe für sich selbst erwachsen. Da dieser Entwicklungsprozess hin zur Liebe zu sich selbst nicht nur über men­tale Erkenntnisse vollzogen werden kann, ist eine emotions- und körperbezogene Paartherapie und Psychotherapie wesentlich. Sie befähigen Beziehungspartner aus Gegeneinander zum Mit­einander zu finden.

Die Beendigung eines Beziehungskrieges muss nicht unmöglich sein, wenn einer der Partner zur Paartherapie nicht bereit ist. Wenn nur ein Partner bereit ist, sich in einer Psy­chotherapie seinem eigenen Liebesdefizit zuzuwenden, kann er erfahren, wie viel dringlicher und wichtiger es ist, Liebe zu sich zu entwickeln anstatt aussichtslos um Liebe zu kämpfen. Dann kann noch viel mehr geschehen als „Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin!“ Es besteht die große Chance den Beziehungskrieg, der letztlich nur den aus dem eigenen Liebesmangel gespeisten Krieg gegen sich selbst reflektiert, in Liebe zu sich selbst und damit unvermeidbar zu anderen Menschen zu wandeln. Mit diesem Verständnis wird ätzender Beziehungskrieg zur großartigen Einladung und Chance, nicht nur den Krieg in sich selbst zu beenden sondern die Liebe zu ermöglichen, nach der wir uns immer schon gesehnt haben. Diese Einladung wird in jeder Konfliktsituation von ei­ner unzerstörbaren und beharrlichen Instanz in jedem Menschen ausgesprochen, die nur ein Anlie­gen hat: „Finde die Liebe zu dir!“

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