Single – Sein: Wahl oder Qual?

50 % der Menschen in Städten leben als Singles. Es gibt bereits 12 Millionen Menschen in Deutschland, die alleine leben. Ist das Leben als Single so viel amüsanter oder gibt es andere Gründe, die das Zustandekommen von Zweierbeziehungen be- oder sogar verhindern?

Nur wenige Menschen haben diese Lebensform für sich frei gewählt. Die meisten Singles wünschen sich eine glückliche Partnerschaft. Eine erste Schwierigkeit besteht darin, geeignete Kontaktmöglichkeiten zu finden. Begegnungsräume in denen Männer und Frauen sich in zwangloser und offener Atmosphäre kennen lernen können, ohne gleich bei der Anmache zu enden, sind in unserer Freizeitgesellschaft rar. In Discotheken ist zumeist nicht das richtige Publikum und es tanzt sowieso jeder für sich alleine, Sportvereine bieten kaum das richtige Umfeld und auch auf Kulturveranstaltungen wie Theater und Konzerten bleibt man eher für sich. Die Erfolgsaussichten mit Hilfe von Partnervermittlungen und Kontaktanzeigen scheinen auch eher zufällig als auffällig zu sein.

Während früher Singletum gesellschaftlich als Makel geächtet wurde (“fünftes Rad am Wagen”), erfährt es inzwischen als Lebensform weithin seine Anerkennung. Dazu tragen eine bei Singles überdurchschnittlich vorhandene Kaufkraft, eine starke Betonung von Individualität in unserer Gesellschaft, berufliche Anforderungen an örtliche Mobilität und der überall anzutreffende Misserfolg von Partnerschaften bei (jede zweite Ehe in Städten und jede dritte auf dem Land werden getrennt). Gelingt es unfreiwilligen Singles über viele Jahre nicht, ihre Situation zu ändern und eine Zweierbeziehung zu schaffen, besteht die Gefahr, dass die Vereinzelung zur Vereinsamung führt. Alleinsein ist bereits häufig Ursache für berufliche Schwierigkeiten und psychosomatische Erkrankungen. Je länger man alleine lebt, desto schwerer ist es, sich auf einen anderen Menschen einzustellen. Psychische Störungen wie Ängste, Depressionen und Süchte können sich bei Menschen, die nicht in einem liebevollen, intakten Umfeld integriert sind, viel leichter verselbständigen.

Es hilft jedoch wenig, die Ursachen für unfreiwilliges Singletum in der Gesellschaft zu suchen. Es ist auch keine Lösung, die Begegnung mit eine/r/m Partner/in dem Zufall zu überlassen. Jeder Einzelne kann eine Menge dafür tun, um zu einer glücklichen und erfüllenden Partnerschaft zu gelangen. Die Teilnahme an Tantra- und Beziehungsseminaren bietet hierzu eine äußerst wirksame Möglichkeit. Wenn auch diese Seminare nicht im geringsten eine Partnervermittlung zum Ziel haben, so erhöhen sie in beachtlichem Maß die Erfolgsaussichten. In diesen Seminaren begegnen sich Menschen (zu einem hohen Anteil Singles) mit der Bereitschaft, sich einander so zu zeigen, wie jeder wirklich ist. Eine liebevolle und achtsame Atmosphäre schafft einen Raum, in dem authentische Begegnungen möglich werden und der es mehr und mehr erlaubt, auf die Masken des Supermannes oder der Superfrau zu verzichten und verletzliche Offenheit zu wagen. In dem Maße wie dies durch eine sensible und kompetente Seminarleitung eingeladen wird, geschehen zwei wesentliche Effekte.

Indem Menschen einander mit ihrem “wahren Gesicht” begegnen, steigen die Chancen, jemanden, der zu einem passt, ohne langes Suchen und “Ausprobieren” zu finden. Es gibt weniger Raum für Täuschungen, die sich spätestens nach dem Abklingen der Verliebtheitsphase in Enttäuschungen offenbaren. Wenn es uns direkt zu Anfang gelingt, uns einander möglichst wenig vorzumachen, so können wir sehr schnell herausfinden, ob wir zu einander passen oder vielleicht doch nicht. Je früher wir dies herausfinden, umso leichter fällt es, auch wieder auseinander zugehen. Um so schneller ist auch jeder wieder emotional frei, sich für jemand anderen zu öffnen.

Der zweite Effekt einer Chancenerhöhung zur Aufnahme einer Zweierbeziehung als direkte Folge der Teilnahme an Tantra- und Beziehungsseminaren liegt darin, sich selbst fit für eine Beziehung zu machen. In diesen Seminaren findet eine intensive Begegnung in wacher Bewusstheit mit sich selbst und anderen statt. Sich selbst in diesen Begegnungen zu erfahren, bedeutet, sich selbst mehr und mehr kennen zu lernen. Wie soll ich jemand anderen kennen lernen, wenn ich mich selbst noch nicht einmal kenne? Sich selbst kennen zu lernen, beinhaltet immer auch, andere besser zu verstehen, sich besser einfühlen zu können. Obwohles in Tantra- und Beziehungseminaren ganz wesentlich um die eigene Person geht, verschaffen die vielfältigen Erfahrungen und Kontakte mit sich selbst wertvolle Erkenntnisse und ein praktisches Wissen, das für das Zustandekommen und den Fortbestand einer Partnerschaft von ganz entscheidender Bedeutung sein kann. Es mag sein, dass es selbst bei der Teilnahme an solchen Seminaren erst nach langer Zeit gelingt, eine/n Partner/in vielleicht sogar ganz woanders zu finden, dennoch vermitteln sie Fähigkeiten, die für einen Beziehungserfolg benötigt werden. Es ist ein alter und hartneckiger Irrglaube, dass Beziehungen bzw. der “richtige” Partner einfach so vom Himmel fallen. Selbst wenn sie es tun sollten, zeigen die Statistiken unmissverständlich, dass der Himmel einem Paar mit großer Wahrscheinlichkeit nicht unbedingt hold bleibt. So wie wir uns in vielen Lebens- und Wissensbereichen fit machen können, um den dort vorhandenen Erfordernissen auch gerecht werden zu können, lassen sich auch unsere Fähigkeiten, eine/n Lebensgefährt/in/en zu finden und mit ihr oder ihm eine beglückende Beziehung zu leben, trainieren und vervollkommnen.

In dem Maß, wie sich jemand dafür engagiert, wird er auch erfolgreich sein. Angesichts dessen, was eine erfüllte Beziehung an Lebensqualität zu schenken vermag, lohnt sich ein solcher Einsatz.

Renate S. ist seit vier Jahren Single. Sie hat an einer Tantragruppe im J O Y teilgenommen, um neue und tiefergehende Kontakte mit Menschen zu knüpfen. “Während der Gruppe im J O Y habe ich das erste Mal die Erfahrung gemacht, spielerische Nähe, Augenkontakte und intensive Begegnungen zuzulassen, ohne dass darauf mehr folgen muß. Wenn ich sonst Kontakte mit Männern eingegangen bin, ging es oft viel zu schnell weiter als mir eigentlich lieb war.”

Andrea Kasper, die gemeinsam mit ihrem Mann, Georg Schallenberg Tantrakurse im J O Y (Institut für Beziehungs- und LifeCoaching) leitet: “Ein Grund, warum viele Menschen heute lieber alleine bleiben, ist die Angst, sich nicht abgrenzen zu können. Als Kinder haben viele Menschen gelernt, nur liebenswert zu sein, wenn sie ihre eigenen Bedürfnisse hinten anstellen. Das verrät auf Dauer die eigene Seele und die Konsequenz kann sein, dass jemand lieber alleine bleibt. Die Erfahrung angenommen und akzeptiert zu werden, erlaubt dagegen sich zu öffnen, und andere Menschen an sich heranzulassen.”

In Tantragruppen entsteht ein intensives Begegnungsfeld, wo Menschen sich zeigen, ihre Gefühle ausdrücken und außergewöhnliche Erfahrungen miteinander machen und sich dadurch in sehr kurzer Zeit sehr intensiv kennen lernen, ohne Verpflichtungen einzugehen.

Renate S.: “In der Gruppe habe ich herausgefunden, dass ich die Trennung zu meinem früheren Freund noch gar nicht verarbeitet hatte, und dass mich dies wohl auch gehindert hat, mich wieder neu einzulassen. Ich habe zu einigen Teilnehmern aus der Gruppe Kontakt behalten und wir treffen uns ab und zu, um Massagen auszutauschen oder andere Übungen aus der Gruppe zu wiederholen. Was Tantra angeht, bin ich nach dieser Gruppe erst auf den Geschmack gekommen.”

Georg Schallenberg, Leiter der Tantragruppen im J O Y: “Es geht gar nicht darum, ob das Single-Sein nun Qual oder Wahl ist. Wenn es gerade so ist, dass jemand alleine lebt, dann ist es zunächst so und läßt sich nicht auf Knopfdruck ändern. Fatal ist jedoch, dass ein Mensch, der gerade keinen Beziehungspartner hat, auf nährende, körperliche Kontakte verzichten muß. Alltagskontakte finden meistens nur auf der Ebene von Gespräch oder Sexualität statt. Einfach mal kuscheln und sich in den Arm nehmen lassen, gibt es normalerweise nicht, obwohl das Bedürfnis nach wärmenden und liebevollen Kontakten sehr groß ist. Im J O Y kann man es leben.”

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